British Council-Interview: „Langlebige Beziehungen pflegen“

Das British-Magazin sprach mit dem Deutschland-Chef des British Council, Paul Smith, über die Zeit nach dem Brexit, Shakespeare und den Reiz von Birmingham.

Welche Aufgabe hat der British Council in Deutschland?

Unsere Aufgabe ist die grenzüberschreitende Kultur und Bildung. Wenn man uns mit Organisationen in Deutschland vergleichen will, dann sind wir so etwas wie das Goethe-Institut und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) zusammen.

Was ist mit Blick auf die kommenden Monate Ihre wichtigste Aufgabe?

Nach dem Brexit geht es mir in erster Linie darum, Vertrauen wiederherzustellen. Wir haben die Europäische Union verlassen, aber wir sind ein Teil von Europa geblieben. Unsere Beziehung zu Deutschland ist seit Jahrhunderten gewachsen, und diese langlebigen Verbindungen sind ja nicht über Nacht verschwunden. Der britische Fußball, der britische Humor, TV-Sendungen, die Royals – das alles interessiert sehr viele Menschen in Deutschland, und daran hat der Brexit nichts geändert. Aber gerade in Deutschland ist sehr viel Enttäuschung zu spüren. Da müssen wir gegensteuern.

Wie kann sich der British Council denn überhaupt von den politischen Entwicklungen abkoppeln?

Wir sind regierungsunabhängig. Das macht uns, wie das deutsche Goethe-Institut, fast einzigartig in der Welt. Um es konkret zu machen: Hier in Berlin arbeiten wir mit der britischen Botschaft, aber nicht für sie. Unser Schwerpunkt liegt auf dem langfristigen Aufbau von Beziehungen und nicht auf der kurzfristigen Regierungspolitik. Diese Unabhängigkeit hat historische Gründe. Als der British Council im Jahr 1934 gegründet wurde, sollte er von der Tagespolitik unabhängig sein, und das war eine sehr kluge Entscheidung.

… und ist immer noch ein Vorteil?

Unbedingt. Wir können viel langfristiger planen als eine Legislaturperiode. Damit meine ich zum Beispiel unsere Sprachförderprogramme. Wir fahren zweigleisig: Für die Fortbildung von Lehrkräften arbeiten wir mit den Bildungsministerien von sieben Bundesländern zusammen. Wir wenden uns aber auch direkt an Menschen, die Englisch lernen wollen. Über unsere Website kann man Englisch-Kurse buchen, teilweise kostenfrei. Jedes Jahr absolvieren rund 20.000 Menschen in Deutschland den Sprachtest IELTS. Damit können sie weltweit an englischsprachigen Universitäten studieren, nicht nur im Vereinten Königreich. Das alles sind Angebote, die wir seit Jahrzehnten machen und nicht erst seit gestern.

Sie sprachen von der Kulturförderung. Wie sieht die aus?

Ein Beispiel ist unser neues Programm Cultural Bridge („Kulturbrücke“). In der Pilotphase letztes Jahr unterstützte Cultural Bridge sieben deutsch-britische Kooperationen, nun sind neue Förderungen für 2023/24 ausgeschrieben. Wir arbeiten dazu mit dem Fonds Soziokultur, dem Goethe-Institut und allen UK Arts Councils in England, Schottland, Wales und Nordirland zusammen. Wir fördern zeitgenössische Kultur, und dabei beziehe ich ausdrücklich Shakespeare mit ein, auch wenn das auf den ersten Blick seltsam klingt. Hamlet zu erleben bedeutet nicht nur, das Buch zu lesen, sondern es geht vor allem um die Inszenierung auf der Bühne. Shakespeare hat jedem nur möglichen menschlichen Erleben einen Platz in seinen Dramen gegeben. Das ist modern, und das kann man in der Gegenwart verankern. Wussten Sie, dass sich rund 50 Prozent aller Kinder weltweit in der Schule zu irgendeinem Zeitpunkt mit Shakespeare beschäftigen?

Welcher britische Autor ist im Vergleich dazu zu Unrecht in Vergessenheit geraten?

Dazu zähle ich Geoffrey Chaucer, der ja oft als der „Vater der englischen Poesie“ bezeichnet wird. Chaucer wurde im Jahr 1340 in London geboren, aber seine Texte klingen keineswegs so, als seien sie vor 600 Jahren geschrieben worden. Ein weiterer Autor ist der Schotte Sir Walter Scott. Am bekanntesten ist vielleicht sein Roman über den englischen Ritter Ivanhoe.

Sie sind in Birmingham aufgewachsen. Von dort hört man vergleichsweise wenig. Woran liegt das?

Es stimmt schon – meistens wird über London und vielleicht Schottland und Cornwall berichtet, das bei den Deutschen besonders beliebt ist. Niemand redet von den sogenannten Midlands, der Mitte Englands. Dabei laufen hier die Fäden zusammen, rein geographisch, aber auch kulturell. Sir Simon Rattle beispielsweise hat seine Laufbahn als einer der bekanntesten Dirigenten der Welt als Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra begonnen.

Wie erleben Sie die Stadt – gestern und heute?

Birmingham war das Powerhouse der industriellen Revolution, und dieses Erbe ist in der Stadt sichtbar. Birmingham war aber auch schon sehr früh, nämlich in den 1950er und 1960er Jahren, multi-kulti und sehr divers und besaß schon damals eine große südasiatische und afro-karibische Bevölkerung.

Paul Smith hat in Cambridge Literatur studiert. Er war in den vergangenen fast 40 Jahren für den British Council in zwölf Ländern auf fünf Kontinenten im Einsatz, am längsten in Südasien und auch in Afghanistan, wo er sich besonders für die Förderung der Schulbildung von Mädchen eingesetzt hat. 1999 wurde Smith der Orden OBE (Order of the British Empire) verliehen. https://www.britishcouncil.de/

 

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